Axel Kolb ist Komponist, Künstler und Musiker. Seine Arbeiten finden in den Verhältnissen zwischen Wahrnehmung, Raumzeitlichkeit und Fiktionalität in Hörprozessen ihren Ausgangspunkt. Diese Aspekte versteht er nicht als separate Einheiten, sondern als co-konstitutive Momente einer möglichen Klangwahrnehmung. Recherchearbeit bietet die Grundlage für seine Stücke und Arbeiten, in denen Theorie, Philosophie und Psychoakustik mit einer künstlerisch-praktischen Auseinandersetzung mit Klang in einem untrennbaren Dialog stehen. In seinen Stücken verhandelt er das Verhältnis zwischen Form und Inhalt durch raumzeitliche Ansätze, die Kompositions- und Synthesetechnik, architektonische Akustik und Wahrnehmungstheorie miteinander verknüpfen.
Als Ausgangslage operiert dabei die Mannigfaltigkeit der Hörposition. Seine Arbeiten gehen nicht von einer singulär zentralen Hörperspektive aus, sondern situieren Spaltungsprozesse als grundlegenden Bestandteil des Hörens. Die Frage ‘warum höre ich, was ich höre, wie ich es höre?’ ist unleicht zu beantworten und leitet Kolb’s gesamten Kompositionsprozess: vom Sammeln von Klangmaterial im unfreien Feld, über die Bearbeitung dieser Aufnahmen, bis zu ihrer formalen Auslegung und deren konzertanten Präsentation, sowie auch in installativen Arbeiten und in seiner kuratorischen Praxis. Kolb’s künstlerischer Ansatz verfolgt somit nicht das Ziel, eine Endgültigkeit oder Auflösung der Frage nach dem Hören zu präsentieren, sondern eben die Unmöglichkeit einer einheitlichen Wahrnehmung und eines gesamthaften Hörens hervorzuheben.