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Morton Feldman for John Cage (1982) - Mx3.ch

Morton Feldman for John Cage (1982)

In Feldmans späten Kompositionen verschwimmen die Relationen der Zeit, so dass die Zuhörer in eine neue Welt der Wahrnehmung von Zeit und Klang geführt werden. Es geht um das Entstehen, Vergehen und Ineinander klingen der Töne - in einer Weite der Stille. Nur mit wenigen Tönen beginnen seine späten Werke, die sich im Verlauf wie ein Spross zu verzweigen beginnen – aus dem sich die gesamte Komposition entfaltet. Meist wird während dem ganzen Werk das rechte Pedal des Flügels gehalten, so dass die Töne ineinander fliessen und auch der angeschlagene Ton noch lange nachhorchen lässt. Wie auch in „Triadic Memories (1981)“ lässt uns „For John Cage (1982)“ erinnern, wieder vergessen, aber auch erahnen vom Kommenden, in einem Zustand wo die Zeit nicht mehr als Zeit wahrnehmbar ist, und uns erahnen lässt, was Ewigkeit sein könnte.

Gerade in den Werken mit einer Dauer von über 60 Minuten, wird der Zuhörer in eine Welt mitgenommen, wo der Klangraum in der Welt still zu stehen scheint. Ein Raum der uns einlädt, tief in musikalische Strukturen einzudringen – ein Raum, der unsere Ohren soweit sensibilisiert, dass wir zum Hineinhorchen finden, das uns an die Grenze führt, wo das Entstehen und Verschwinden eines Klanges wahrgenommen wird. Seine Musik setzt nach und nach alle Orientierung außer Kraft. Auf der schier unendlichen Fläche von ein bis zwei Stunden erscheinen seine späten Kompositionen alle dynamischen Energien auf ein Minimum reduziert; immer wieder verweilen die Klänge, um sich dann wieder leise fortzuentwickeln.
Feldmans eigener Beitrag war es, das Tempo der Ereignisse im Wiener Universum zu verlangsamen. Er war geduldig, ließ jeden Akkord sagen, was er zu sagen hatte. Indem er sich auf so wenig Material beschränkte, setzte Feldman die Ausdruckskraft des die Töne umgebenen Raums frei. Die Rhythmen sind unregelmäßig und überschneiden sich, sodass die Musik über dem Schlag dahinschwebt. Die Harmonien bewohnen ein Niemandsland zwischen Konsonanz und Dissonanz, zwischen Paradies und Vergessen.

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