corpus absens ist ein Projekt des Schweizer Musikers Tom von Bueren. Jahrgang 1970, also niemand mehr aus der Nachwuchsförderung, sondern aus dem soliden Bestand. Schon als Teenager war er ein grosser Musikfan mit breit gefächertem Geschmack. In den frühen Schuljahren zunächst zur Blockflöte gezwungen, brach er den Unterricht bald ab und wechselte aus Trotz zur Violine – nicht etwa aus strategischer Überlegung, sondern weil er niemanden kannte, der dieses Instrument spielte. Was sich später als reine Illusion herausstellte. Den Instrumentalunterricht absolvierte er bis und mit Oberstufe, ohne sich dabei als besonders fleissiger Übender auszuzeichnen.
Mit 14 Jahren kam die Gitarre – und damit der Wendepunkt. Beatles, Krokus, Mike Oldfield und Judas Priest begleiteten seine ersten Lernschritte. Plötzlich wurde aus dem mässigen Übenden ein engagierter. Er spielte die Soli von Oldfield nach, übte die Gitarrenriffs von Glenn Tipton und K.K. Downing auf Sad Wings of Destiny und investierte den Lohn aus einem Ferieneinsatz bei der Müllabfuhr in ein 4-Spur-Kassettengerät. Mit 17 entstand das erste Demotape als Solomusiker mit eigenen Songs und zahlreichen Instrumentals, zwei Jahre später folgte das zweite.
Live-Auftritte mit diesen Aufnahmen gab es keine. Dennoch spielte Tom zwischen seinem 17. Lebensjahr und heute immer wieder in Bands – teils mit eigenen Songs, teils mit Covers. Meist gemeinsam mit guten Kumpels aus dem erweiterten Dunstkreis der Nidwaldner Musikszene.
Mit Musik Geld zu verdienen stand nie realistisch zur Debatte – oder genauer: Die Möglichkeit ergab sich schlicht nie. Also erlernte er einen Beruf, bildete sich weiter, wechselte Tätigkeiten und Rollen. Die Musik blieb jedoch stets sein aktiver Begleiter. Gitarre, Bass, Keyboards und Schlagzeug fanden in wechselnden Konstellationen ihren Platz in den Songs auf seiner Festplatte. Mit 47 Jahren rang er sich nach langer innerer Überwindung dazu durch, Gesangsunterricht zu nehmen. Mit seiner Stimme war er nie zufrieden – und ist es bis heute nicht. Um die Songs dennoch nicht weiter digital verrotten zu lassen, entschloss er sich 2019 zur Veröffentlichung seines ersten Releases Victim auf den Streaming-Plattformen. Wie bei vielen Nischenprojekten blieb der Erfolg überschaubar. Geblieben ist jedoch das gute Gefühl, etwas abgeschlossen zu haben.
Das Songwriting ging weiter – neben einem anspruchsvollen Beruf und dem Familienleben. Für 2026 sind neue Releases angekündigt.
Der Name corpus absens entstand aus dem Wunsch heraus, sich zumindest einen Rest Anonymität zu bewahren – oder sich hinter einem Pseudonym zu verstecken, das wörtlich „ohne Körper“ bedeutet. Die Idee dahinter: Die Musik sollte für sich stehen, ohne Gesicht, ohne Pose, ohne Biografie, die zwangsläufig mitgehört werden muss. Ein gedanklicher Rückzug hinter die Klänge, ein bewusstes Unsichtbarsein.
Natürlich ist auch das eine Illusion. In einer Zeit, in der selbst Algorithmen Persönlichkeit verlangen, bleibt jede Veröffentlichung unweigerlich mit ihrem Urheber verknüpft. corpus absens ist damit weniger ein Zustand als eine Haltung: der Versuch, Präsenz zu reduzieren, ohne zu verschwinden – und sich auf das zu konzentrieren, was bleibt, wenn der Körper vermeintlich abwesend ist.