Wer braucht schon Augen, wenn man mit dem Herzen sehen kann?
MC ORIN ist ein erblindender Musiker aus Zug. Schon in seiner Kindheit faszinierte ihn die Welt der Musik, und als er älter wurde, konnte er darin Fuß fassen. Trotz seiner mangelnden Sehkraft schreibt, produziert und mixt er seine Songs selbst, denn er möchte musikalisch so frei wie möglich sein. Nebst dem Liedermachen spielt er auch leidenschaftlich Instrumente, darunter Drums, Klavier, Gitarre, Bariton-Ukulele und Irish Tin Whistle. Mit seiner Punkband Vodew spielte er schon viele Konzerte in der ganzen Deutschschweiz und fand Gefallen daran, auf der Bühne zu stehen.
Das Leben in einem dysfunktionalen Haushalt und schwere Mobbingerfahrungen im Kindesalter verwandelten MC ORINs Gedankenwelt in einen düsteren Ort. Nachdem er den Suizidversuch seines Vaters im Sommer 2023 erlebte, zog er nach Zug in ein Wohnheim, um sich vom dysfunktionalen Familienleben zu stabilisieren, in dem häusliche Gewalt – verbal und physisch – zum Alltag gehörte. Zusätzlich muss er sich damit abfinden, dass sein Augenlicht nun fast nicht mehr existent ist und bald ganz erlöschen wird.
Doch in Zug fand er Anschluss in der lokalen Szene, begünstigt durch sein Redaktionspraktikum bei Jam On Radio. Dies gab ihm Hoffnung, und er legte sich ins Zeug, sein Musikprogramm – ohne sehen zu können – so gut wie möglich zu bedienen. Nun nutzt er seine Arbeitslosigkeit, um so viel Musik zu machen wie möglich. Denn er hat Hunger. Einen Hunger, der ihn selbst zu verschlingen droht. Doch er kämpft weiter, um eines Tages seinen Traum vom musikalischen Erfolg zu erfüllen – denn seine Augen mögen stumpf sein, doch seine Ohren werden nur schärfer.